
Texte“Man
kann in Jürgen Liefmanns zeichnerischem Werk von Bildsequenzen
sprechen, Sequenzen, in welchen |
| “Jürgen
Liefmanns Zeichnungen haben die nachhaltige Schönheit,
in der Energie und Behutsamkeit, Anspannung und Gelassenheit einander die Waage halten. Manchmal kommt er zu nahezu abstrakten Formen, die innerhalb der Werkfolge schlüssig sind, die er aber nicht weiter führt - das ist nicht seine Domäne. Um sich stimmig und genau mitzuteilen, braucht er die Außenwelt, äußere Bilder, arbeitet er mit Motiven, die er gesehen, erlebt hat, die er kennt. So geht er von Figur und Landschaft aus, nutzt sie als Mittel, und ist doch weder figurativer Maler noch Landschafter. ”Abstrakt ist nicht das richtige Wort”, meint er, “aber ich finde, es sind wirklich keine Figuren, es ist eher eine Haltung”. Das Ziel ist immer die Balance, das empfindliche Gleichgewicht, das die Bilder durch die bedachte Zuordnung ihrer einzelnen Elemente untereinander wahren. Daß der Zustand der Balance im Bild geradeso wie im Leben gefährdet ist, teilt sich spürbar mit. Oft scheint die Zeit angehalten, und Bilder stehen wie Momentaufnahmen vor Augen. Es gibt keine Handlung, nichts passiert, es sind aus einem zeitlichen Verlauf isoliert spannungsvolle Augenblicke. Wer das Bild anschaut, sucht sich sogleich den möglichen Moment davor und danach zu vergegen- wärtigen. Für Jürgen Liefmann bedeutet der reglose Moment im Anhalten der Zeit die Chance, alles in Ruhe genau zu erkunden”. Irma Schlagheck (aus dem Katalogtext w.o.) |
| “Aus
dem vermeintlichen ”Erzähler” von Bildgeschichten
ist ein auf der Grenze zwischen Zeichnung und gestischer Malerei operierender Künstler geworden, dem es oft nicht mehr gelingt, zum Ausgangspunkt seiner Bilder, der menschlichen Figur, zurückzukehren. Vieles aus der Bildwelt früherer Zeichnungen und farbiger Bilder ist verschwunden, scheint von der überbordenden Schwärze der Tusche und Leimfarbe verschluckt: die kurvigen Wege, die den Blick durch karge Landschaften leiteten, die Radfahrer als Chiffren für Bewegung wie auch Labilität; die die Personen begleitenden Schatten und oftmals sogar die menschlichen Gestalten selbst. Von der Landschaft ist nur noch die Horizontale des Querformats übrig geblieben, von dem Menschen die Vertikale des Hochformats”. Jörg Becker (aus dem Katalogtext Städtische Galerie Albstadt, 2000) |